Entstehung des Nordic Walking
Was ist eigentlich Sauvakävely?
Schon seit langer Zeit nutzt der Mensch bei großen Wanderungen den Stock als Gehhilfe. Ob Schafhirten oder mittelalterliche Pilger - wer viel zu Fuß unterwegs war, hatte immer einen Stab dabei. Und manchmal kamen auch die Götter nicht ohne Stütze aus. Der griechische Götterbote Hermes, der für das Reisen und die Fortbewegung zuständig war, wurde mit einem Stab dargestellt. Weit in die Vergangenheit reicht auch die Tradition des Skilaufs; in Schweden fanden Archäologen Überreste von Skiern, die über 4000 Jahre alt sind. Bis jedoch aus den Komponenten Gehen, Stöcke und Skilauf ein neuer Sport werden sollte, vergingen Jahrhunderte.
In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts begannen Ski-Langläufer damit, im Sommer mit ihren Sportgeräten zu experimentieren. Ohne Schnee waren die Skier kaum zu gebrauchen, aber die Skilanglaufstöcke wurden in das Training eingebaut. Es entstand der so genannte „Ski-Gang“, eine Mischung aus Sprung- und Laufelementen an den Stöcken. Die Trainingsbelastung war hochintensiv und auf Spitzenathleten ausgerichtet. Ein Schwachpunkt war jedoch die Ausrüstung: Die Alustöcke übertrugen die Vibrationen direkt auf die Gelenke. Zwar erkannten Fachleute das Potential dieses effektiven Ganzkörpertrainings, doch im Freizeitsport fand der „Ski-Gang“ keine Aufmerksamkeit.
Der Durchbruch für die neue Fortbewegungsart an den Stöcken gelang im Frühjahr 1997 in Finnland. Die Firma Exel Oy präsentierte „Sauvakävely“, finnisch für Stocklauf. Das Unternehmen, das auf die Herstellung von Langlaufstöcken spezialisiert ist, hatte zusammen mit Sportwissenschaftlern und anderen Fitnessexperten das Nordic Walking entwickelt. Die wichtigste Errungenschaft waren dabei die Stöcke, die sich erheblich von herkömmlichen Wanderstöcken unterschieden. Für diese Entwicklung wurde das Unternehmen mit dem finnischen Innovationspreis ausgezeichnet. Nordic Walking-Stöcke bestehen aus einem Carbon-Glasfaser-Gemisch, das ein geringes Eigengewicht, extreme Belastbarkeit und eine lange Lebensdauer gewährleistet. Für den Walker sind die leichten Stöcke sehr komfortabel, außerdem werden keine belastenden Schwingungen auf die Gelenke übertragen. Das Handschlaufensystem ermöglicht den rhythmischen Bewegungsablauf.
Mit den neuen Stöcken begann der rasante Aufstieg des Nordic Walking. Im Jahr 2000 war die Sportart bei den Finnen bereits beliebter als Joggen. 2002 waren in Finnland etwa eine Million Menschen mit den Stöcken unterwegs. Die Zahl spricht angesichts einer Gesamteinwohnerzahl von 5 Millionen für sich. In Deutschland übten im letzten Jahr etwa 800.000 Menschen regelmäßig den Stocklauf aus, wie der Deutsche Nordic-Walking-Verband schätzt. Nicht nur hier ist die Tendenz steigend - auf der ganzen Welt findet Nordic Walking immer mehr Freunde.
Aus einfachen Komponenten - dem Gehen als natürliche menschliche Fortbewegungsart und zwei Stöcken - ist ein globaler Trendsport geworden.
